Betroffenheits-Lyrik
Der Verkäufer -der ist gar nicht so blöd- im Media-Markt.
Er erklärt mir, dass die einzige Fabrik weltweit,
die noch Analog-Kassetten
produziert habe, von einem Erdrutsch zerstört worden sei,
in Thailand oder so.

Was für eine Katastrophe!
Keine Werbegeschenke
an begehrte Frauen
werde ich mehr machen können,
keine Gesamtkunstwerke,
ein Lied dem anderen folgend,
es ergänzend, ihm widersprechend,
es erweiternd.
(I'm losing my religion.)
Genötigt sein werde ich am Ende
CDs zu brennen, nur 15 Jahre nach den anderen.

Irgendwo da hinten am Hindukusch,
hör' ich beiläufig im Radio,
habe es schon wieder ein Massaker gegeben.
"Was schert mich Weib? Was schert mich Kind?
Ich trage weit bess'res Verlangen"

Ach, über meine Gefühllosigkeit
erschrecke ich jetzt doch.
(Ganz so schlimm bin ich wohl doch nicht.)
Und: Dieses Gedicht dient dazu,
meine Beschämung zu relativieren.
Und: Dieser Nachsatz dient dazu,
die Relativierung der Beschämung zu relativieren.
Und: so weiter.

Und: Am Ende vermochte ich es doch noch
etliche Restposten Kassetten im 5er-Pack
bei Geiz-ist-geil aufzukaufen.