Papst-Rücktritt
(Kleine Korrektur)

Jetzt sind wir nicht mehr Papst
und ich bedaure das -lacht halt!-
sogar ein wenig.
Die sanfte Greisenstimme rührt mich sehr.
Und wahrlich
könnt' der Ratzinger nicht jetzt
als Höhepunkt gleichsam
von seinem Geistesleben
in einer Neuverfilmung von Jim Knopf
doch den Hernn Tur Tur spielen?

Doch Spaß beiseite: Das,
was ich im Radio so höre,
will ich in einer Einzelheit
doch korrigieren:
Es heißt da, Benedikt,
der sei als zweiter Papst erst
freiwillig zurückgetreten.
Beim ersten aber -seid belehrt!-
da war das nicht so ganz freiwillig.

Denn das war so -im Jahr des Herrn 1294:
Die Adelshäuser der Orsini und Colonna
warn gleich stark und verfeindet,
so dass mal doch kein Jüngling
aus dem ein'n Geschlecht, noch aus dem andern
gewählt ward auf den heil'gen Stuhl.
Ein Scherz vielleicht:
Die wählten Pietro del Murrone,
so einen Bettelmönch und tumpen Bauern,
nicht einmal richtig mächtig des Lateins:
Papst Coelestin Numero fünf.
Das Christenvolk frohlockte: endlich wieder mal
ein Papst, der an Gott glaubte.
Statt leicht zu lenken wie erwartet,
war Coelestin so störrisch wie ein Esel.
Und:
Gottes Reich sei angebrochen jetzt
verkündet' -jesusmäßig- er. Der Tag ist da!
Das heißt:
Kein Eigentum und keine Herrschaft.

Nun:
diesen Adelsherrn gefiel das nicht so sehr.
Da warn sie einmal einig.
So wählte Coelestin freiwillg
sein Leben
und er dankte ab,
versteckte sich in den Abruzzen-Höhlen,
ward doch gefangen und starb bald in Haft.

Zum Trost: Die allgerechte Kirche
sprach heilig ihn, nur knapp zehn jahre nach dem Tod.
Und heute noch: Der heil'ge Kommunist
wird fromm am Todestag gefeiert: 19. Mai.