Lob der Eibe
Der liebste bist du mir
unter den Bäumen. Denn immergrün
kündest du auf den Friedhöfen
vom Leben. Dank dir
gibt es -ein wenig jedenfalls-
ein Leben vor dem Tod.
Denn aus deinem elastischen Holz
wurden die Waffen der Befreiung gebaut.
Die Bolzen der Armbruste
durchstießen die Harnische der Ritter.
Als die Macht noch nicht aus den Gewehrläufen kam,
verteidigte der gemeine Mann
die Stadtmauer mit dir
gegen das Adelsheer.

Der liebste bist du mir
unter den Bäumen. Denn über den Winter
brachte deine Frucht
das gemeine Volk. Vitaminreich
ist sie und giftig ihr Kern.
Den spuckten die Kinder aus,
um leben zu können.

Der liebste bist du mir
unter den Bäumen. An meinen Geburtstagen
geh' ich zu Inge Müllers Grab
und plücke von deinen Früchten
und spucke die Kerne aus,
auf dass ich lebe.